Histamin und Rosacea

Histamin und Rosacea
Histamin gehört zu den biogenen Aminen, die in geringen Mengen in fast allen Lebensmitteln vorkommen. Sie entstehen bei der Verdauung von Eiweiß. Histamin wird aber auch im Körper produziert und gehört hier zu den sogenannten Gewebshormonen. Serotonin ist ein bekannteres Gewebshormon, das in Organismen als Neurotransmitter funktioniert. Häufig reagieren Rosacea-Betroffene auf Histamine mit deutlichen Symptomen: Flushes, Rötungen und zum Teil Quaddel, die wie Pickel aussehen. Es gibt aber andere Symptome, wenn Histamin nicht vertragen wird, die Unverträglichkeit wird als Histaminintoleranz bezeichnet.

Wer bekommt Histaminintoleranz?

Die sekundäre Form der Histaminintoleranz gehört zu den erworbenen Krankheiten. Fälle der angeborenen, genetisch bedingten primäre Form der Histamin-Intoleranz kommt sehr viel seltener vor. Eine sekundäre Histamin-Intoleranz entwickelt sich schleichend. Ca. 80% aller Patienten sind Frauen ab einem Alter von etwa 40 Jahren. Hauptursachen für Histaminunverträglichkeit ist aus medizinischer Sicht die Schädigung der Darmschleimhaut des Dünndarms. Im Laufe der Zeit wird der Darm durch Nährstoffmangel, Medikamente, Alkohol oder Erkrankungen geschwächt. Dadurch wird die Produktion des Enzyms Diaminoxidase gestört. Die Diaminoxidase ist ein Histamin abbauendes Enzym, das hauptsächlich in der Dünndarmschleimhaut und im Dickdarm gebildet wird. Liegt ein Mangel an DAO vor ist meist die Darmschleimhaut geschädigt. Viele Rosazea Betroffene haben nicht unbedingt eine ausgeprägte Histamin Intoleranz. Etwa 30% der HIT-Patienten haben umfassende Symptome, dabei ist die Dunkelziffer wahrscheinlich sehr hoch. Durch die zeitliche Verzögerung vom Verzehr bis zum Auftreten der Beschwerden werden die Beschwerden gar nicht mit dem Lebensmittel oder Getränke Konsum in Verdauung gebracht.

Welche Beschwerden treten bei Histamin-Intoleranz auf?

Normalerweise ist der Mensch in der Lage, größere Histaminmengen abzubauen. Das Enzym Diaminoxidase baut Histamin im Dünndarm bereits zu einem großen Teil ab, bevor Histamin ins Blut aufgenommen wird. Auch die Leber, das Blut selbst und die Nieren bauen mit weiteren Enzymen Histamine ab. Dadurch gelangt auch nach dem Verzehr histaminreicher Lebensmittel nur wenig Histamin in den Körper. Bei gesunden Menschen kommt es erst zu Problemen, wenn die aufgenommene Histaminmenge sehr groß ist. Z.B. enthält verdorbener eiweißreicher Fisch sehr viel Histamin. Bekannt ist auch das China-Restaurant-Syndrom: Da Glutamat die Histamin-Ausschüttung fördert, werden bei einem Besuch im China Restaurant häufig große Mengen an Histamin freigesetzt. Die Betroffenen – und nicht nur Rosacea-Patienten – reagieren mit Hautrötungen, Ausschlag, Juckreiz und Kribbeln. Allerdings können auch Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schwindel, Schwitzen und Herzrasen auftreten! Besonders empfindliche Menschen, bei denen eine Histamin-Unverträglichkeit festgestellt wurde, können aber schon auf geringe Mengen mit Symptomen reagieren. Dabei treten die Beschwerden nach dem Verzehr histaminreicher Nahrungsmittel häufig unmittelbar auf. Allerdings können sie aber auch zeitverzögert nach mehreren Stunden bis zum nächsten Tag auftreten. Dies erschwert die Suche nach den Auslösern deutlich. Allgemeine, aber auch besonders schwerwiegende und die Lebensqualität beeinträchtigende Symptome einer HI sind:
  • Asthmaanfälle
  • Atemnot
  • Aufmerksamkeitsstörungen
  • Bauchkrämpfe
  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Blutdruckveränderungen (plötzlich)
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Herzklopfen – Palpitationen
  • Herzrasen – Extrasystolen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzstolpern
  • Regelschmerzen
  • Menstruationsbeschwerden
  • Migräne
  • Naselaufen
  • Übelkeit
  • Was passiert bei Rosacea, wenn Histamine Probleme machen?

    Histamine können eine Freisetzung von Stickstoffmonoxid im Blut verursachen. Sind zu große Mengen Histamin im Blut oder reagiert der Mensch empfindlich auf Histamine, weiten sich die Blutgefäße und mehr Blut fließt hindurch. Die gesteigerte Durchblutung äußert sich in Rötungen. Treten diese sehr schnell und plötzlich auf, spricht man von einem Flush oder auch Blush. Die plötzliche Steigerung der Durchblutung wird meist an Gesicht und Hals sichtbar, kann aber andere Körperteile betreffen. Bei diesem Blühen (Blush) der Haut sind die betroffenen Areale nicht nur rot, sondern auch warm oder heiß. Flushes können bereits kurze Zeit nach dem Histamin-Verzehr auftreten, aber auch Stunden später. Auf die Dauer werden die Blutgefäße durch Histamin durchlässiger gemacht, so dass Blutplasma ins Gewebe eindringt. Das im Gewebe vorhandene Blutplasma sorgt für die ständige Röte. Das (Hist-)Amin wird in Mastzellen, Blutplättchen und Nervenzellen aus dem Eiweißbaustein Histidin gebildet und in diesen Zellen gespeichert. Daher kommt auch der Name Histidin + Aminosäure (Eiweiß). Auch Mastzellen, in denen Histamin und Heparin gespeichert sind, spielen eine Rolle bei Rötungen. Kommt es z.B. zu einem Kontakt mit einem nicht verträglichen – allergenen – Stoff, werden die Mastzellen angeregt, Histamin auszuschütten. Wir nehmen dies gemeinhin als allergische Reaktion oder Immunantwort wahr. Häufig kommt dieser Prozess bei dem Kontakt mir Cremes, Reinigungslotionen oder anderen Substanzen vor. Allerdings kann diese Reaktion auch bei physikalischen Veränderungen wie Kälte, Wärme, Druck oder Strahlung auftreten. Dieser Vorgang der intrazellulären Ausschüttung des Histamins unterscheidet sich von dem weiter oben beschriebenen Vorgang, bei dem extrazelluläre Histamine durch Nahrung oder Getränke in das Blut gelangen. Der Effekt des Errötens, Brennens bzw. das Hitzegefühl ist jedoch identisch.

    Welches sind die Ursachen der Histamin Intoleranz?

    Ist zu viel Histamin im Körper, entweder durch übermäßigen Verzehr oder durch gestörten Abbau der Histamine, kommt es zu einer Überreaktion im Körper. Häufig wird diese Störung durch Histamine mit einer Allergie gleichgesetzt. Allerdings liegt hier keine Allergie vor, denn nicht das Immunsystem reagiert hier sondern das Histamin macht eigentlich nur seine Arbeit. Antihistaminika, die erfolgreich bei Allergien eingesetzt werden, können auch gegen Histamin nichts ausrichten. Das Histamin-Enzym ist als Botenstoff im Körper für sinnvolle warnende Tätigkeiten zuständig: Es regt die Magensaftproduktion und Appetit an, reguliert die Blutgefäße bei inneren und äußeren Einflüssen. Darüber hinaus steuert es  Lernfähigkeit und Schlafrhythmus und ist an dem Komplex der Gefühlssteuerung beteiligt. Als Warnung davor, dass etwas nicht stimmt, ist Histamin einer der Botenstoffe, der Entzündungen auslöst. Die häufig negativ behaftete Entzündung ist zwar meist lästig, aber eigentlich eine gute Reaktion des Körpers, die darauf ausgelegt ist, den Organismus zu heilen. Durch die Entzündung soll etwas aus dem Körper abgebaut oder entfernt werden. Also ist z.B. eine Erhöhung der Durchblutung im Rahmen einer Entzündung total sinnvoll, damit Bakterien und andere schädliche – ggf. von außen eingedrungene Stoffe – aus dem Bereich der Entzündung schneller abtransportiert werden. Im Fall von Rosacea und einer Sensivität gegen Histamin liegt nur meist keine Entzündung im eigentlichen Sinne vor, sondern es ist einfach zu viel Histamin vorhanden. Dieses Eingreifen des Histamins ist also eigentlich übertrieben, nicht notwendig und nicht wünschenswert.

    Warum ist aber nun zu viel Histamin vorhanden?

    Dafür gibt es mehrere mögliche Ursachen: Wie oben schon beschrieben, spielt der Darm eine große Rolle. Im Darm wird mittels des Diaminoxidase – Enzyms Histamin abgebaut. Es gibt einen geringen Anteil von Menschen, bei denen dieses Enzym von Geburt an fehlt bzw. nicht gebildet wird. Hingegen wird bei einem sehr großen Anteil von Menschen die Fähigkeit Diaminoxidase zu bilden verloren. DiAminOxidase wird in der Darmschleimhaut gebildet. Durch Schäden der Darmschleimhaut und der Darmflora wird DAO gar nicht mehr oder nicht mehr in ausreichender Menge (Enzymmangel) produziert. Der Histamin-Abbau ist also zum Teil deutlich reduziert oder funktioniert gar nicht mehr (gestörte Enzymfunktion). Sowohl durch Getränke und Lebensmittel aufgenommenes Histamin als auch körpereigenes Histamin wird nicht mehr abgebaut und löst im Körper unterschiedlichste Reaktionen aus. Eine weitere Ursache für eine Störung des Histamin-Abbaus ist ein Enzym, das ebenfalls Histamin abbauen kann. Dieses Enzym HNMT (Histamin-N-Methyltransferase) wird vor allem in der Leber und den Nieren gebildet. HNMT ist im Gegensatz zu DAO intrazellulär und wirkt vom Zellinneren auf intrazelluläres Histamin. Ein HNMT-Mangel ist wahrscheinlich nicht an der Auslösung von den bei Rosacea bekannten Flushes bis hin zu wie Ekzeme auftretende Rötungen beteiligt. Die Störung der HNMT Synthese wirkt sich eher auf das Nervensystem aus und verursacht Nervenschmerzen, Unruhe oder Zuckungen.

    Auch andere Faktoren rufen HIT-Symptome hervor!

    Sogenannte Histaminliberatoren enthalten selbst kein Histamin, aktivieren und befreien aber im Körper Histamin. Zu den Histaminaktivatoren gehören diverse Lebensmittel und Zusatzstoffe, Medikamentenwirkstoffe wie Opiate und Muskelentspanner sowie Trägerstoffe von Medikamenten. Auch Duftstoffe aus Wasch- und Reinigungsmitteln oder Kerzen, Chemikalien, Stress, positive und negative Emotionen und auch Sport oder körperliche Anstrengung setzen körpereigene Histamine frei.

    Was machen Betroffene gegen Histaminintoleranz?

    Liegt „nur“ eine Störung der Enzymproduktion der Diaminoxidase vor, kann diese unter Umständen mit Hilfe von Vitamin B6 (Pyridoxin, Pyridoxal und Pyridoxamin) und Vitamin C (am besten natürliche Ascorbinsäure) wieder behoben werden. Der Vitaminmangel kann zu einer Einschränkung der DAO-Produktion führen, die nach ausreichender Vitamin-Zufuhr wieder funktioniert. Auch Kupfermangel kann zu einer erworbenen HIT führen. In der Diagnostik der histaminintoleranten Patienten muss die Bestimmung des Kupferspiegels obligatorisch sein, denn durch Zuführen von Kupfer kann die HI therapiert werden. Dabei muss allerdings auch der Zinkhaushalt überprüft werden, denn Zink hemmt die Aufnahme von Kupfer im Darm. Zuviel Zink, das häufig bei Hautproblemen empfohlen wird, kann also auch schädlich sein. Inzwischen gibt es Medikamente, die den Biokatalysator DAO künstlich zuführen können. DAOSIN kann vor der Mahlzeit eingenommen werden und sorgt dafür, dass das Histamin aus der Nahrung direkt im Verdauungstrakt abgebaut wird. Ein natürliches Produkt, das auch für Veganer geeignet ist, ist Naturdao aus pflanzlicher Quelle. Auch Toxaprevent Medi Pure kann bei HI hilfreich sein. Dieses enthält nicht das Enzym, sondern ist darauf ausgelegt, das Histamin mit Hilfe von Zeolithen im Verdauungstrakt zu binden. Als Zusatzeffekt bindet es auch ggf. vorhandene Schwermetalle und Aluminium. Diese toxischen Stoffe sind häufig bei einer Dysfunktion des Darmes vorhanden. Die mit dem Zeolith nun im Darm verbundenen dem Körper schadenden Stoffe werden ausgeleitet. OPC (Traubenkernextrakt)senkt die Histamin Ausschüttung generell. Da die Störung durch die Fehlfunktion des Darmes bedingt ist, sollte man sich dringend um seinen Darm kümmern. Dabei ist es wichtig, zunächst eine Darmreinigung durchzuführen. Wichtige probiotische Bakterien müssen im Anschluss zugeführt werden, um die Darmflora wieder aufzubauen. Grundsätzlich empfehlenswert sind Probiotika, wie sie in Kefir oder Buttermilch vorkommen. Auch Präbiotika zur Ernährung der Bakterien des Probiotikums in Form von Ballaststoffen wie z. B. Inulin sind wichtig. Insbesondere das Milchsäure-Bakterium Lactobacillus reuteri scheint geeignet zu sein, um einen Erfolg in der Störung der Histaminase-Produktion zu erzielen. Die erste Hilfe bei dem Verdacht, histamin-intolerant zu sein, ist eine histaminarme Ernährung: Der Botenstoff steckt in unserem Essen – zu einem hohen Anteil in mit Bakterien oder Hefe versetzten Lebensmitteln wie Wurst, lange gereifte Käsesorten, Sojasauce, Bier oder Wein. Durch die Hefen können neben dem gewünschten Prozess der Gärung und Reifung große Mengen an Histamin gebildet werden. Listen welche Lebensmittel viele Histamine enthalten, finden sich massenhaft im Internet. Weitere Nahrungsmittel, die Auslöser für Rosacea sein können, finden Sie auf unserer Seite „Vermeiden Sie Rosacea-Auslöser beim Essen und Trinken“.